Part 2/Teil 2

 
         
 

In view of these general development tendencies, it is easier to explain why gypsum extraction and nature conservation are not incompatible.

 

Diese allgemeinen Entwicklungstendenzen vorausgeschickt, kann leichter erklärt werden, warum Gipsabbau und Naturschutz kein Widerspruch sind.

 
         
 

At numerous gypsum locations, forests had to give way to human activities. Since the soils were mostly shallow, they were not suitable for plant production and thus became pasture areas. These pastures were usually not very thrifty, because there was, on the one hand, a deficiency of nutrients and, on the other hand, at least in certain seasons, a shortage of water. In conjunction with different exposures in a hilly landscape, various habitats formed, providing favorable conditions especially for low-growing, photophilic and thermophilic (light and heat-demanding) species. Many of these species with a low competitive capacity, such as orchids, gentians and carnations, are rare and protected.

 

Auf vielen Gipsstandorten musste der Wald vor dem wirtschaftenden Menschen weichen. Weil der Boden meist flachgründig war, konnte kein Ackerbau betrieben werden und es entstanden Weideflächen. Diese waren größtenteils nicht sehr wüchsig, weil einerseits Nährstoffe fehlten und andererseits, zumindest in bestimmten Jahreszeiten, Wassermangel herrschte. In Verbindung mit verschiedenen Expositionen in einer Hügellandschaft konnten unterschiedliche Lebensräume entstehen, die insbesondere kleinwüchsigen, licht- und wärmeliebenden Arten einen Lebensraum boten. Viele dieser konkurrenzschwachen Arten, wie z. B. Orchideen, Enziane und Nelken, sind selten und geschützt.

 
         
 

These species-rich oligotrophic grasslands are coveted objects of nature conservation. However, it has to be said that they were created by the influence of man and economically useful animals. Since the grazing of sheep and goats is not very common any longer in Central Europe, the former pastures are quickly covered with shrubs and finally become forests again.

 

Diese artenreichen Magerrasen sind begehrte Objekte des Naturschutzes. Tatsächlich muss aber festgestellt werden, dass diese erst durch Mensch und Tier geprägt wurden. Da eine Beweidung mit Schafen und Ziegen bei uns kaum noch stattfindet, verbuschen diese ehemaligen Huteflächen schnell und verwandeln sich letztendlich wieder in einen Wald.
 

 
         
 

Even though a forest does not grow at once, an accumulation of nutrients takes place, which already leads to changes in the affected biocenoses.

 

Auch wenn es nicht gleich zu einer Waldentwicklung kommt, findet eine Nährstoffanreicherung statt, die auch jetzt schon zu einer Veränderung der Biozönosen führt.

 
         
 

The development of a gypsum quarry creates a number of conditions that provide habitats for the rare plant and animal species already mentioned:

  • light-exposed areas thanks to the removal of a tall-growing vegetation cover,
  • oligotrophic soil conditions due to the removal of the eutrophicated topsoil,
  • a wide variety of habitats as a result of the different shapes of quarries.
 

Mit dem Aufschluss eines Gipssteinbruches werden viele Bedingungen geschaffen, die den bereits erwähnten seltenen Pflanzen- und Tierarten Lebensraum schaffen:

  • Belichtete Flächen durch Entfernung einer hochwüchsigen Vegetationsdecke,
  • oligotrophe Bodenverhältnisse durch Abräumen des eutrophierten Oberbodens,
  • vielfältige Lebensräume durch unterschiedliche Gestaltung des Steinbruches.
 
         
 

Not only in the quarry itself, but also in its immediate surroundings, habitats can be created before the beginning of the exploitation shown in various impact studies since the 1970´s.
 

 

Nicht nur im Steinbruch selbst, sondern auch in der unmittelbaren Umgebung könnten Lebensräume geschaffen werden, die dem Abbau vorangehen, wie dies in mehreren Umweltverträglichkeitsuntersuchungen seit 1970 belegt wurde.

 
         
 

The question as to what the geomorphology will look like at the end of the extraction process depends on the deposit and the planning. There are many and various shaping possibilities, for example with rock walls, rock heads, weathering cones, quarry floors, outside and inside dumps etc. Almost all transitions from extremely dry to wet or temporarily wet habitats are imaginable.

 

Es ist eine Frage der Lagerstätte und der Planung, wie die Geomorphologie am Ende des Abbaus aussehen soll. Die Gestaltungsmöglichkeiten, z.B. mit Felswänden, Felsköpfen, Verwitterungskegeln, Steinbruchsohlen, Außen- und Innenkippen usw. sind vielfältig. Von extrem trockenen bis zu nassen oder wechselfeuchten Standorten sind fast alle Übergänge möglich.

 
         
 

A special type of restoration has to take place in the mediterranean region. Problems due to protection against erosion are essential, where missing soil and the hot climate cause a slow growth of vegetation (see fig. 2).

 

Eine besondere Art der Rekultivierung ist in der mediterranen Region erforderlich. Dort steht der Erosionsschutz im Vordergrund, da fehlender Boden und hohe Temperaturen ein nur langsames Pflanzenwachstum bedingen (siehe Abb. 2).

 
         
   
 


Fig. 2: Overburden dump outside extraction area of a gypsum quarry in Catalunia, special completion for protection against erosion.

 


Abb. 2: Aufhaldung von Oberboden außerhalb der Abbaufläche eines Gipssteinbruches in Katalonien, besondere Abschlussmaßnahme zum Erosionsschutz.

 
         
 

If a new forest is the primary objective of revegetation after the extraction of gypsum, it will form on its own within a relatively long period of time. To shorten this period, however, a species-rich stand of wood can successfully be planted. As the example of gypsum quarries near Stadtoldendorf (Central Germany) shows, the trees grow well, and many other species have also found their habitats.
 

 

Sollte nach dem Abbau als Ziel einer Wiederbegrünung der Wald im Vordergrund stehen, wird sich dieser über einen längeren Zeitraum von selbst einstellen. Um den Zeitraum zu verkürzen, kann aber auch ein artenreicher Gehölzbestand erfolgreich angepflanzt werden. Ein Beispiel aus Gipssteinbrüchen bei Stadtoldendorf (Deutschland, Niedersachsen) zeigt, dass nicht nur die Bäume gut gedeihen, sondern viele andere Arten einen Lebensraum gefunden haben.

 
         
 

However, the objective of nature conservation is usually not a forest but the protection of habitats that are as open as possible and permit an undisturbed natural development. This will only be achieved if refilling with materials of foreign origin near to the surface is avoided and exclusively gypsum-containing initial materials are used for shaping or remain on the spot.

 

Meist ist jedoch nicht der Wald Ziel des Naturschutzes, sondern der Erhalt möglichst offener Lebensräume mit einer ungestörten natürlichen Entwicklung. Dies setzt voraus, dass eine Verfüllung an der Oberfläche mit ortsfremdem Material unterbleibt und nur gipshaltiges Ausgangsmaterial für die Gestaltung eingesetzt wird oder an Ort und Stelle verbleibt.

 
         
   
 


Fig. 3: Protected types of habitats in gypsum quarry area in Hesse which ceased perations in the mid-1970s (Schmeisky, Stein, Hofmann & Reimann 2002).

 


Abb. 3: Geschützte Biotope in einem seit 25 Jahren aufgelassenen Gipssteinbruch in Hessen (Schmeisky, Stein, Hofmann & Reimann 2002).
 

 
 
 
  Part 1/Teil 1  

Part 2/Teil 3